DAB+ bedeutet nicht die digitale Transformation des Radios

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Am Swiss Radioday 2016 war sie wiederum das grosse Thema, die Digitalisierung. Zur Zeit liegt das Hauptaugenmerk der Branche auf dem Wechsel von FM auf DAB+. Digitale Transformation ist der Wechsel von UKW auf DAB+ aber nicht.

Foto: Amanda Nikolic

(Fotos: Amanda Nikolic)

Alle schauen auf DAB+. Es werden Marketingprojekte und Werbekampagnen gestartet, TV-Spots produziert und Marktforschung betrieben. Aufgrund der Ergebnisse ist man mit sich zufrieden, der Wechsel von UKW auf DAB+ ist auf dem Weg. Bereits hören ein Viertel der Schweizer via DAB+ Radio. Digitale Transformation ist der Wechsel von UKW auf DAB+ aber nicht.

 

Kernkompetenz des Radios

Die Kernkompetenz eines Radiosenders ist wohl kaum das Ausstrahlen eines FM Signales. Genauso wenig ist die Kompetenz eines Zeitungsverlegers das Bedrucken von Papier. Sobald dieser einfache Fakt verstanden wird, liegen die Möglichkeiten der Digitalisierung auf der Hand. Wer weiss besser, was gerade in der Region passiert, was wichtig ist oder die Menschen bewegt als ein lokales Medium? Die Transformation betrifft einzig die Art und Weise, wie die Information zu den Nutzern – Hörern, Lesern oder Zuschauern gelangt.

 

Bereits Mitte der 90er bekannt

Dass das Internet grosse Umwälzungen in den Medien mit sich bringen wird, wurde den Verlegern schon Mitte der 90er Jahre von diversen Fachexperten zugetragen. Zuerst hat es die Zeitungsverleger getroffen, welche mangels Eigeninitiative das Rubrikengeschäft an Online-Unternehmen (z.B. Homegate, Sout24, u.a.) verloren haben und schliesslich wieder teuer zurückkaufen mussten. Wer nicht hören will, muss fühlen.

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Regionale Plattformen

Das Radio ist ein „Nahmedium“ – von Mensch zu Mensch. Das Profil eines Senders wird primär durch deren Moderatoren und Redaktoren bestimmt. Die Musik ist im Zeitalter der Formatradios – der Marktforschung gesteuerten Musikprogramme - austauschbar. Die Nähe ist des Radios Stärke und Alleinstellungsmerkmal. Radios haben (noch) starke Marken. Diese gilt es zu nutzen.

Beispiel FM1today

Als Medienverbund Online-Radio-TV nutzt FM1today einen voll konvergenten Newsroom, um die Stories mediengerecht und crossmedial den Menschen zugänglich zu machen. Ob nun via Smartphone, Computer, Autoradio, HiFi-Anlage oder TV Gerät –der Fokus liegt auf den Geschichten, welche die Menschen im Zielgebiet interessiert und bewegt. Damit ist FM1today auch für Werbung interessant. Werbung folgt der Nutzung. Wer klar definierte Zielgruppen effizient und multimedial anbieten kann, ist klar im Vorteil.

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Werbewirkungsforschung fehlt noch weitgehend

Wirkung kann nicht immer vorausgesetzt werden – sie muss belegt und erforscht werden. Das fordern nicht nur grosse Auftraggeber (z.B. Philipp Marquard, Medialeiter MGB). Jeder der sein limitiertes Budget für Werbung ausgibt, tut dies mit einem klaren Ziel: Return on Investment. Dieser misst sich an Umsatz und Absatz. Hier herrscht Nachholbedarf - und nicht nur beim Medium Radio. Auch das offensichtlich messbarste Medium "Online" ist bezüglich ROI abseits von Webshops bisher den Wirkungsnachweis schuldig geblieben.

Sinkende Verbreitungskosten steigende Angebotsvielfalt

Eine Digitalisierung Regel trifft bei Radio in der Schweiz nur bedingt zu: die drastisch sinkenden Kosten für die Verbreitung führen zur Angebotsvielfalt. Durch die hohe Regulierung in der Schweiz, ist das neue Angebot jedoch bisher auf Webradio-Sender beschränkt, welche in der Schweiz kaum messbare Reichweiten aufzuweisen vermögen. Vereinzelt haben sich nun neue Spartensender, unterstützt durch die Billag Zuschüsse, auf das Abenteuer DAB+ eingelassen. Ob sich dieser Trend fortsetzt, muss die Zeit zeigen. Sofern SRF sich mit ihrer Omnipotenz nicht auch noch in diesen Sparten breitmacht, könnte es gelingen.

Weniger Werbeeinschränkungen

Die Werbetreibenden fordern weniger Werbeeinschränkungen, meinen damit, dass sie auch die starken SRF Sender mit Werbung nutzen möchten. Obwohl die Forderung verständlich ist, mit der aktuellen Marktarchitektur würde dies das Aus für viele Lokalradios bedeuten. Solange die SRF Radiosender durch Billag Gebühren finanziert werden, ist eine solche Forderung wohl chancenlos. Anders sieht es aus, wenn den SRF Sendern die Billag Gebühren drastisch reduziert würden, dann liesse sich wohl eine Mehrheit im Parlaments für eine Lockerung der Werbeverbote bei SRF finden. Der Radiomarkt Schweiz braucht nicht nur neue Ideen, sondern auch ein Umdenken bezüglich Gebühren und des Service Public.

Mit PMC Prezzi Media Consulting berate und begleite ich meine Kunden in der digitalen Transformation. www.prezzimedia.ch

Viele der Programmpunkte des Swiss Radioday 2016 wurden aufgezeichnet und stehen auf Youtube bereit.

Podium: Hat Radiowerbung Zukunft?

Key Note Hansi Voigt:

ExplorRadio 2017 – die neue Radionutzungs-Studie

DigiMig wie DAB+ vorankommt

Keynote Roberta Cattaneo, Vize Direktorin Bakom

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Über den Autor:

Sandro Prezzi

Sandro Prezzi

Experte für Media, Digitalisierung und Integrierte Kommunikation.

Seit 2007 kommentiert Sandro Prezzi Entwicklungen, Trends und News der Schweizer Werbewirtschaft. Seine Hauptthemen sind Media, Integrierte Kommunikation, Medien-Forschung, Digitalisierung und Online Marketing.

mediabeobachter lgo2.fw

Kontakt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

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